Literatur und verwendete Texte Modul 2

Website: Lernplattform für frühe naturwissenschaftliche Bildung
Kurs: SLK GS Entdecken, staunen, forschen - naturwissenschaftliche Perspektive im Sachunterricht
Buch: Literatur und verwendete Texte Modul 2
Gedruckt von: Gast
Datum: Dienstag, 5. Mai 2026, 19:24

1. Exploration und Spiel



Kinder sind von Geburt an aktiv Lernende, die sich die Welt Stück für Stück mit allen Sinnen erobern. Spielerisch probieren sie sich selbst aus, untersuchen wie Dinge funktionieren und was sie selbst durch ihr eigenes Tun bewirken und erreichen können (Cantzler 2011).

Mitwachsenden, motorischen Fähigkeiten erweitern sie immer weiter ihr Spektrum zum Wahrnehmen der Umwelt. Sie erkunden ihre nächstgelegene Umgebung und entdecken dabei immer wieder Neues, das es näher erkunden.

Unbekannte Objekte oder neue Umgebungen lösen dabei Neugierde und Interesse aber auch Furcht und Vorsicht aus. Exploration ist zunächst ein mit hoher Aufmerksamkeit versehenes Herantasten an etwas Neues, noch nicht vollständig einschätzbares (Hauser 2016).

Es ist ein Probieren, um herauszufinden was es mit dem Gegenstand, dem Ding auf sich hat und welche Eigenschaften es hat.  Wie fühlt es sich an, welche Form hat es, wie riecht oder schmeckt es, bewegt es sich, ist es lebendig? (Schwarz 2014).

Ein solches Explorieren entsteht also aus dem Drang, sich Wissen anzueignen und verleiht Sicherheit (Hauser 2016).

Die so entdeckten Nutzungsmöglichkeiten und die Einschätzung, ob das Ding ungefährlich ist, machen den Weg frei für das Spiel.

Das Kind hat sich den Gegenstand oder die Umgebung vertraut gemacht, Die Aufmerksamkeit muss nicht mehr auf das Neue gerichtet werden. Im entspannten Spiel können die in der Exploration entdeckten Eigenschaften als Grundlagen eingesetzt werden, um der Frage nachzugehen, was kann ich mit dem Ding machen (Hutt 1070 zit. in Lohse 2018, 80).

 

 

2. Bedeutung der Exploration für den Erkenntnisgewinnungsprozess

Der explorative Zugang stellt das Interesse des Kindes und die selbsttätige und selbstgewählte Auseinandersetzung mit dem Material in den Mittelpunkt.

Durch Erkunden und Ausprobieren macht das Kind eigene Erfahrungen und erwirbt sich Wissen über die Welt. Der Bildungsgehalt einer solchen explorativen Auseinandersetzung kann je nach Interesse des Kindes verschiedenen Bildungsbereichen zugeordnet werden. 

Beispielsweise können Alltagsgegenstände aus der Küche das Kind dazu anregen, verschiedene selbsterzeugte Geräusche, Töne oder Klänge zu erkunden. Es kann dazu eine Geschichte erzählen, mit anderen Kindern gemeinsam Musik machen oder damit die Aufmerksamkeit Anderer auf sich ziehen. Die Bereiche Musik, Sprache oder soziale Umwelt könnten hier beispielsweise im Zentrum des Interesses des Kindes stehen.

 Wann eröffnet dieses explorative Verhalten nun aber einen Zugang in die frühe naturwissenschaftliche Bildung?

Die genaue Beobachtung des Kindes stellt hier den Ausgangspunkt für die weitere Lernbegleitung dar, um das gezeigte Interesse dann durch Impulsfragen besser zu verstehen und hinsichtlich naturwissenschaftlicher Bildung konkretisieren zu können.

So können wiederholende Handlungen des Kindes, wie das Anschlagen eines Löffels an einen Heizkörper, das Staunen über unterschiedlich erzeugte Töne mit verschiedenen Materialen Hinweis darauf sein, dass für das Kind hier ein naturwissenschaftliches Thema im Zentrum des Interesses steht. 

In diesem Beispiel sind es die Eigenschaften des Materials.  In der Lernbegleitung kann das Interesse des Kindes aufgegriffen werden. Es können beispielsweise Vergleiche angeregt und zum genauen Hören oder Ausprobieren von unterschiedlichen Materialien aufgefordert werden. Dem Kind  werden so eigene Erfahrungen ermöglicht, die es immer weiter vertiefen kann.

 


3. der explorative Zugang in der frühen naturwiss. Bildung

  

Wie auf der vorherigen Seite angesprochen, stellt nicht jedes Tun, jedes Ausprobieren oder Staunen über ein entdecktes Phänomen auch gleich eine naturwissenschaftliche Tätigkeit oder ein naturwissenschaftliches Interesse des Kindes dar.

Planscht das Kind im Wasser oder spielt mit Sand ist das noch nicht unbedingt als eine Tätigkeit im naturwissenschaftlichen Sinne zu bezeichnen, wenngleich es hier elementar wichtige Erfahrungen machen kann.

Nach Miriam Leuchter ist eine naturwissenschaftliche Tätigkeit mit dem Streben nach Erkenntnis verbunden. (Leuchter 2017, 30). Der explorative Zugang, die Möglichkeit sich mit allen Sinnen mit Materialien auseinandersetzen zu können, stellt einen wichtigen Ausgangspunkt für das Kind dar, eigene Ideen zu entwickeln, Vermutungen anstellen und sich selbst Fragen zu stellen.

Durch die Anwendung naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise wie beispielsweise beobachten, vergleichen, ordnen vermuten oder prüfen kann sich das Kind seine Fragen dann selbst beantworten und zu neuen Erkenntnissen gelangen.

Um eine naturwissenschaftliche Bildungsgelegenheit beispielsweise in der Beschäftigung des Kindes mit Sand identifizieren und aufgreifen zu können, schlägt Leuchter daher vor, dann von einer naturwissenschaftlichen Tätigkeit zu sprechen, wenn das Kind erkennbar eine oder mehrere naturwissenschaftliche. Denk- und Arbeitsweise im Zusammenspiel mit einem naturwissenschaftlichen Phänomen anwendet.

Wenn das Kind beispielsweise die Beobachtung macht, dass Sand mit Wasser vermischt sich anders anfühlt, anders aussieht und sich anders verhält, kann dies aufgegriffen und weitergeführt werden. Es können Vergleich angestellt werden: mit nassem Sand kann man bauen- mit trockenem nicht so gut. Nasser Sand rieselt nicht durch die Hände, ich kann aber damit eine Kugel formen.


4. Literatur

  • Hauser, Bernhard (2016). Spielen, Kohlhammer Verlag, Stuttgart
  • Leuchter, Miriam (2017), Kinder erkunden die Welt. Frühe naturwissenschaftliche Bildung und Förderung, Kohlhammer W. GmbH.
  • Lohse, K. (2018). Exploration verstehen. Zum Zusammenhang von Erkundung, Erklärung und Lernen. In: Hebenstreit-Müller, S. & Hildebrandt F. (Hrsg.), Nachdenken mit Kindern: Theorie und Praxis. Berlin. 75-88